von Cathrine Bublatzky

Ob ‚Blitztourismus in Heidelberg’, 'Capoeira' oder 'Quo Vadis, Friedhof'? oder ‚Hostel Kultur’ - die vielfältigen Themen, welche Ethnologie-Studenten der Universität Heidelberg bearbeiteten, verband eine gemeinsame Ausgangsfrage:

Welche Rolle spielt Fotografie in der Ethnologie?

Im Rahmen des 2-semestrigen Seminars ‚Ethnografische Fotografie in Asien und Europa – Ein transkultureller Ansatz’ (Leitung: Cathrine Bublatzky) diskutierten die Studierenden unter anderem folgende theoretische und methodische Fragen über Fotografie in der Ethnologie:

Welche Verwendung hat die Fotografie in der Ethnologie? Was macht ethnographische Fotografie aus? Wie bewegt sich der Ethnologe mit der Foto-Kamera im Feld? Wie analysiert und präsentiert ein Ethnologe fotografisches Forschungsmaterial? Wie untersucht man die Rolle von Fotografie in verschiedenen kulturellen Kontexten?

Bereits im frühen 20. Jh. nahmen Ethnologen wie Bronislaw Malinowski, Margret Mead oder E. E. Evans-Pritchard die Fotokamera mit ‚ins Feld’ und dokumentierten fremde Völker und Kulturen, aber auch sich selbst, den Forscher. Dabei sind fotografische Technik und die Verwendung reproduzierbarer visueller Zeugnisse bis heute nicht ohne Kritik geblieben, ist doch auf Grund von Motiv- und Ausschnittwahl, Selektion und Komposition von Fotografien eine 'fotografische Realität' kritisch zu hinterfragen.

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Heidelberg, 2013  Foto: Christin Grote

Diese Themen aber auch die Bedeutung und Nutzung von Fotografie/n in verschiedenen historischen wie kulturellen Kontexten oder die digitale Fotografie als neues ‚Konsumgut für die Massen’ und deren Verbreitung über Internet oder Mobil-Telefone stellen dabei wichtige ethnologische Forschungsfelder dar.

Vor diesen Hintergründen erarbeiteten die Studierenden Projekte, um Möglichkeiten und Grenzen ethnografischer Fotografie zu erfahren: Wie führt man ein Foto-Interview durch? Was mache ich, wenn meine ‚Informanten’ nur kurze Zeit vor Ort sind? Wie finde ich heraus, wie sich Menschen mit Behinderung vor der Kamera präsentieren möchten? Kann ich mit der Kamera dokumentieren, was eigentlich nicht sichtbar ist? Wie beeinflusst die Fotokamera mein Verhalten als Ethnologe, aber auch das der 'Anderen'? Wann sind der Fotografie ethische und moralische Grenzen gesetzt? 

Praktische Anforderungen dieser Art ermöglichten es den angehenden EthnologInnen, erste forschungsbasierte Erfahrungen zu sammeln und sich ausserdem mit Analyse und Präsentation von visuellen Daten und Texte zu befassen.

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Capoeira-Workshop. Darmstadt, 2013. Foto: Maya Berthold

Hierfür wurde von der Heidelberg Research Architecture (HRA) ein neu entwickeltes digitales Arbeitsumfeld mit einer online Bild-Datenbank und einem Foto-Wiki bereitgestellt. So konnten die Studierenden systematisch Bild und Textdaten erfassen und ihre Fragestellungen und Ergebnisse in einem ‚Foto-Essay’ visuell präsentieren. Die eindrucksvollen Ergebnisse sind nun auf dieser Webseite als Foto-Essays veröffentlicht worden. Die einzelnen Beiträge sind auf dieser Seite oben links über die Navigation 'Ethnografische Fotografie' zu erreichen.

Danksagung

Unser Dank gilt dem Kunstverein Heidelberg mit Susanne Weiss und Sonja Hempel für die wunderbare Möglichkeit, die Foto-Essays im Kunstverein zu zeigen (Poster und digitale Projektpräsentation sind noch bis Anfang 2014 im Kunstverein zu sehen). Ausserdem danken wir Matthias Arnold, Eric Decker und Johannes Alisch von der Heidelberg Research Architecture des Exzellenzclusters 'Asien und Europa im globalen Kontext' für ihre unermüdliche und geduldige Unterstützung.

Nicht zuletzt geht unser Dank an all diejenigen, die sich für die Projekte Zeit genommen haben und sie mit ihrer Interesse und Zusammenarbeit erst haben möglich werden lassen.

Für die Inhalte der Foto-Essays sind die Verfasser verantwortlich. Sie haben hierbei versucht, Rechte und Copyright – Fragen im Vorfeld nach bestem Gewissen zu klären.

Sollten dennoch Fragen auftreten oder weitere Informationen über Autoren und Bibliographie von Interesse sein, bitten wir um Kontaktaufnahme per email.

Cathrine Bublatzky ist seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Visuelle und Medien Ethnologie am Excellenzcluster 'Asien und Europa im globalen Kontext'.